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KFZ-Technikermeister Jürgen Weißer gab dem Flüchtling und gelernten Automechaniker Nabeel Ahma die Chance bei ihm in der Firma anzufangen. Nun arbeiten die beiden gemeinsam und profitieren von einander - eine wahrliche Win-Win Situation für beide Seiten.

Jürgen Weißer ist dankbar. Dankbar, dass er mit dem aus Pakistan stammenden Flüchtling Nabeel Ahmad einen hochmotivierten und fleißigen Mitarbeiter für seine freie Autowerkstatt in Riedböhringen gefunden hat. Und auch dankbar, dass er die Geschichte über einen gläubigen Muslim erzählen kann, „von dem sich mancher Deutsche eine Scheibe abschneiden könnte“.

Die Zeitung brachte die beiden zusammen. Als der KFZ-Technikermeister Jürgen Weißer las, dass sich unter den vor drei Jahren nach Hondingen gezogenen Asylbewerbern ein gelernter Automechaniker befindet, da meldete er sich bei Linda Fleischer von der Stadtverwaltung. Er wollte von ihr wissen, ob der junge Mann bei ihm ein Praktikum machen könnte. Einen Tag später klopfte Nabeel Ahmad an die Werkstatttür, sein Handy hatte ihn über den Walliberg geführt. „Wenn jemand so schnell reagiert, dann muss er es ernst meinen“, dachte sich Jürgen Weißer und gab dem heute 26-Jährigen eine Chance, nachdem er zuvor vergeblich nach einem Mechaniker gesucht hatte. Der erste Eindruck sollte nicht täuschen. Mittlerweile gehört Nabeel Ahmad zum festen Mitarbeiter-Stamm. Weißer lobt die Lernbereitschaft seines Mitarbeiters, der – bevor er in Riedböhringen per Eigeninitiative eine Wohnung fand – schon einmal in Pausen den Gebetsteppich im Reifenlager auslegte. Mechanische Arbeiten, wie beispielsweise einen Keilriemen auszuwechseln oder Bremsbeläge zu erneuern, könne er ihm getrost überlassen, berichtet Weißer. Wenn es um die Elektronik geht, bestünde aber Nachholbedarf.

Dass die Integration von Nabeel Ahmad so gut klappt, dürfte an zwei Faktoren liegen. Zum einen lebt der mittlerweile anerkannte Flüchtling seit 2011 in Deutschland und kann sich vergleichsweise gut verständlich machen. Zum anderen ist es sein Charakter, der wiederum durch seinen Glauben geprägt ist, er gehört der muslimischen Gemeinschaft der Ahmadiyya (siehe Kasten) an, die in Pakistan Repressalien ausgesetzt ist. „Mein Vater hat zu mir gesagt, ich soll meinem Chef wie einem zweiten Vater begegnen. Daran halte ich mich“, so Nabeel Ahmad. Per WhatsApp oder Skype ist er täglich mit seinen Eltern in Kontakt. Und mit seiner Frau. Denn vor einiger Zeit hat er geheiratet, obwohl er seine Frau noch nie persönlich getroffen hat. Das arrangierten die Eltern in Pakistan. Jetzt wünscht sich der Nabeel Ahmad vor allem eines: Dass er seine Frau möglichst schnell nach Deutschland holen darf, sie lerne bereits die Sprache. Jürgen Weißer ergänzt: „Sie hat meiner Tochter sogar schon auf Deutsch zum Geburtstag gratuliert.“

Jürgen Weißer und Nabeel Ahmad – das ist eine Win-win-Beziehung für beide Seiten. Nur auf eines hätten sie gerne verzichtet: den hohen bürokratischen Aufwand, bis die Arbeitsgenehmigung endlich vorlag.
 

Informationen zu Ahmadiyya

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) versteht sich als eine Reformgemeinde innerhalb des Islam, wird aber von vielen sunnitischen und schiitischen Gruppen nicht als islamisch anerkannt. Gemeinhin gilt sie als liberal, aber wertkonservativ. 1889 wurde die Gemeinschaft von Mirza Ghulam Ahmad in Qadian (Indien) gegründet. Ahmad beanspruchte für sich, der von Mohammed prophezeite Messias und Mahdi zu sein. Seit über einem Jahrhundert führt dieser Anspruch dazu, dass die Gemeinde in vielen Teilen der islamischen Welt verfolgt wird. In Deutschland gilt sie als gut integriert, sozial engagiert und friedliebend. Dem spirituellen Oberhaupt der AMJ, Mirza Masroor Ahmad, folgen heute über 60 Millionen Muslime in über 200 Staaten.

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