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Zwei Stunden lang ging es am Donnerstag in der Blumberger Stadthalle um die Flüchtlingsunterbringung. Landrat Hinterseh will einen Dialog mit Bevölkerung.

Wie sehr das Thema die Menschen beschäftigt, zeigten die rund 100 Besucherinnen und Besucher, darunter auch der Landtagsabgeordnete Niko Reith, die ihre Meinung sagten, viele Fragen stellten und die auch helfen wollten und dies schon tun. Ein Schwerpunkt waren die Ängste, Nöte und Sorgen der Anwohner im Ortsteil Zollhaus, wo gleich zwei frühere Gaststätten mit Flüchtlingen belegt werden: der Schweizer Hof vom Schwarzwald-Baar-Kreis als Gemeinschaftsunterkunft und die Adler Post von der Stadt Blumberg für die Anschlussunterbringung.


Der Bürgermeister: Markus Keller wies darauf hin, dass die Stadt schon zwei Informationsabende organisiert hatte. Derzeit lebten rund 30 Flüchtlinge in Blumberg, bis Ende des Jahres kämen weitere 28. Für das nächste Jahr kämen nach derzeitigem Stand 114. Ziel sei es, die Flüchtlinge so gerecht wie möglich zu verteilen. Von den acht Flüchtlingen in Hondingen hätten vier Arbeit. Und die Adler Post in Zollhaus werde sukzessive belegt. Für das Pfarrhaus Riedöschingen hätten sie den Mietvertrag geschlossen.

Der Landrat: Sven Hinterseh schilderte die Entwicklung: Anfang der 1990er Jahre hätten sie schon eine ähnliche Situation gehabt: durch die innerdeutschen Wanderbewegung nach dem Fall der Berliner Mauer, durch sehr viele Spätaussiedler und durch viele Asylbewerber. Damals seien dadurch circa 5000 Menschen in den Schwarzwald-Baar-Kreis gekommen, fast in jedem Ortsteil sei eine Belegung erfolgt. Seit ein paar Jahren ziehen die Flüchtlingszahlen wieder an.Der Landrat betonte, er habe eine Aufgabe zu lösen und er wolle sie lösen. „Wenn wir es nicht schaffen, Unterkunftskapazitäten zu schaffen, werde ich Sporthallen schließen.“

Schweizerhof: Warum gerade dort? Weil sie das Gebäude mieten konnten, sagte der Landrat. Sie würden es aber nicht voll belegen, eher zu 80 Prozent, weil das verträglicher sei, für alle Betroffenen. „Wir werden mit zehn bis 15 Flüchtlingen beginnen.“

Sicherheit: Mehrere Zollhauser sorgten sich um die Sicherheit, ganz besonders, falls auch die Gemeinschaftsunterkunft mit bis zu 200 Plätzen in Dämmlewiesen gebaut werde. Mit dann 380 Personen gebe es in und um Zollhaus mehr Flüchtlinge als die 340 Einwohner, sagte Ekkehard Martin. Und Eltern äußerten Sorge, wenn ihre Kinder morgens an den Gebäuden mit Flüchtlingen vorbei müssten.

Antwort: Wo viele Menschen zusammen leben, bestehe eine abstrakte Gefahr, sagte Landrat Hinterseh. Aber sie würden mit aller Härte vorgehen, wenn jemand die Spielregeln hier nicht einhalte. Sein Sachgebietsleiter Eberhard Weckenmann ergänzte, sie hätten bisher diesbezüglich bei Schulwegen keine Probleme gehabt. Bürgermeister Keller erklärte, sie hätten bereits das Polizeirevier Donaueschingen angeschrieben, ob die Möglichkeit zu mehr Präsenz in Blumberg bestehe. Zu Ekkehard Martin sagte der Bürgermeister, die Menschen in Zollhaus würden sich nach Blumberg orientieren, weil dort die Geschäfte zum Einkaufen seien, das gelte auch, falls die Unterkunft in Dämmlewiesen gebaut würde, was heute aber kein Thema sei.

Integration: Anwohner Ekkehard Martin meinte, die Flüchtlinge könnten besser integriert werden, wenn sie besser verteilt würden. Blumberg habe doch Platz auf dem Schlenk-Areal, dem Lauffenmühle-Areal oder am Eichberg. Volker Schmid aus Zollhaus bat, kleinere Einheiten zu machen. Bürgermeister Keller antwortete, sie hätten Gespräche geführt, auch wegen des Bleichnerbaus, doch der Besitzer habe nicht vermieten wollen. Landrat Hinterseh sagte, er würde gerne kleinere Einheiten machen, aber pro Monat erhalte der Kreis 170 bis 180 Flüchtlinge.

Christenpflicht: Kreisrat Michael Walter wies darauf hin, dass es die Pflicht des christlichen Abendlandes sei, den Ankommenden zu helfen. Schon oft habe in der deutschen Geschichte Integration stattgefunden, zum Wohl des Landes, etwa in Preußen, das die in Frankreich ungeliebten Hugenotten aufgenommen habe und nach der polnischen Teilung die Polen oder die Region mit den Italienern, die beim Bau der heutigen Blumberger Museumsbahnstrecke geholfen hätten.

Aktuelle Situation: Von allen Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, erhalte Baden-Württemberg fast 13 Prozent, der Schwarzwald-Baar-Kreis wiederum müsse davon 2,11 Prozent aufnehmen. Derzeit sind das schon wieder über 5000, Tendenz steigend.

Der Kreis braucht noch mehr Unterkünfte

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt viele Menschen in der Stadt.

Zahlen: Im Jahr 2012 kamen 77 651 Flüchtlinge nach, Deutschland, 2013: 127 000; 2014: 202 000; 2015: bis Oktober 758 000, erwartet werden über eine Million. Im Schwarzwald-Baar-Kreis sind es mehr als 5000.

Unterbringung: Der Schwarzwald-Baar-Kreis hat bisher Gemeinschaftsunterkünfte in Villingen, Schwenningen, St. Georgen und Donaueschingen mit insgesamt 1050 Flüchtlingen. Nun kommt Blumberg dazu. Als nächstes müssten Bad Dürrheim und Furtwangen Gemeinschaftsunterkünfte bauen, sagte Landrat Hinterseh. Dazu kommen drei bedarfsorientierte Erstaufnahmestellen in Villingen, Schwenningen und Donaueschingen, dort wohnen in der ehemalige Kaserne derzeit 1900 Personen, das Regierungspräsidium sieht 2700 Plätze.

Ansprechpartner: Für die Gemeinschaftsunterkunft ist der Landkreis zuständig. Für die Flüchtlinge in der Stadt gibt es die Flüchtlingshilfe mit einem Organisationsteam um Hauptamtsleiterin Nicole Schautzgy, Telefon 07702/51 120, Andrea Sauter, Martina Schloms, Adrian Seifert, Gernot Suttheimer, Klaus Krähmer, Nadine Menzel und Martina Gold.

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