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Rund 100 Interessierte kamen am Donnerstag in die Blumberger Stadthalle zur Information über die Flüchtlingsunterbringung in der Stadt.

Intensiv diskutiert wurde gestern Abend im Gemeinderat über die Flüchtlingsunterbringung in Blumberg. Rund 100 Menschen waren in die Stadthalle gekommen, um sich von Landrat Sven Hinterseh und Bürgermeister Markus Keller informieren zu lassen, und um ihre Meinung zu sagen. Darunter waren viele Menschen aus Zollhaus, wo der Schwarzwald-Baar-Kreis das bisherige Hotel Schweizer Hof für eine Gemeinschaftsunterkunft gekauft hat und die Stadt die frühere Gaststätte Adler Post für eine Anschlussunterbringung kaufen wird.

 

Sorgen und Ängste der Anwohner

Sie äußerten ihre Ängste, Sorgen und Befürchtungen, was die Pläne für den Ortseil mit 340 Einwohnern bedeuten würden. Zollhaus sei durch Gewerbe, Industrie und den Durchgangsverkehr ohnehin schon stärker belastet als andere Ortsteile, nun käme noch die Gemeinschaftsunterkunft im Schweizer Hof und die Anschlussunterbringung in der Adler Post hinzu, sagte zum Beispiel Ekkehard Martin. Manfred Glatz, Nachbar des Schweizer Hofs, wies darauf hin, dass das Hotel innen und außen topp renoviert worden sei, es wäre besser, dies für den Tourismus zu nutzen.

Stadtrat Waimer schildert die Situation in Zollhaus
  • Adler-Post: Der Kauf der ehemaligen Gaststätte durch die Stadt zur Anschlussunterbringung sei ein erster Schritt in die richtige Richtung.
  • Gemeinschaftsunterkunft: Der Landkreis stehe vor der Mammutaufgabe Gemeinschaftsunterkünfte zu schaffen, unter anderem durch die Anmietung des Schweizer Hofes, eine weitere Gemeinschaftsunterkunft soll in Dämmlewiesen entstehen.

  • Belastung: „So entstehen auf einer Achse von rund zwei Kilometern rund 350 Asylbewerberplätze, dies führt zu Unbehagen und gar Ängsten bei einem Teil meiner Zollhauser Mitbürger. Ängste, die ich zwar nicht teile, die wir aber ernst nehmen müssen.“

  • Verhalten: Den Ängsten könne man am besten durch Information entgegentreten. Hier gehe die Stadt einen vorbildlichen Weg.

  • Flüchtlingshilfe: „Je mehr Bürger sich hier engagieren, je mehr entsteht ein Klima des Miteinanders und des gegenseitigen Verstehens. Und nur so können wir Konflikte lösen.“ Er werde selbst dort mitwirken.

  • Fazit: Zollhaus trage die Hauptlast. „Deshalb wünsche ich mir bei weiteren Maßnahmen eine ausgeglichene Lastenverteilung zwischen der Kernstadt und allen Ortsteilen.“ (blu)



Landrat Sven Hinterseh schilderte seine Situation als Vertreter der Unteren Behörde. Bisher sei die Bundesregierung von 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr ausgegangen, von Januar bis Oktober seien aber bereits 758.000 Flüchtlinge gekommen, davon allein 171.000 im Oktober. Er rechne mit mehr als einer Millionen. Davon müssten Baden-Württemberg fast 13 Prozent und der Schwarzwald-Baar-Kreis davon 2,21 dieser 13 Prozent aufnehmen.

Schweizer Hof soll nur zu 80 Prozent belegt werden

Der Landrat kann die Emotionen verstehen und betonte, er wolle den Schweizer Hof nicht voll belegen. Sie wollten mit 10 bis 15 Flüchtlingen dort anfangen und maximal 80 Prozent belegen. Bürgermeister Markus Keller wiederum betonte, die Stadt werde die Adler Post ohne Zuschüsse kaufen und herrichten, weil sie sonst eine Zweckbindung von zehn Jahren hätten. Und wenn der Schweizer Hof stets voll gewesen wäre, hätte die Besitzerin ihn wohl nicht vermietet.

Eine Frau aus Zollhaus wünschte sich einen Abend, wo die Anwohner über ihre Ängste und Sorgen sprechen könnten. Bürgermeister Keller und Landrat Hinterseh nahmen dies auf, der Abend soll im Januar stattfinden.
Doch es gab auch mehrere andere Äußerungen, dass man den Flüchtlingen helfen müsse und wolle.

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